Die Turner vor dem Kernerhaus in Weinsberg - diese Szene beschreibt Adolf Cluss in seinen Erinnerungen an das erste deutsche Turnfest in Heilbronn vom 1. bis 3. August 1846.


Zum Turnfest in Heilbronn erschienen 1846 mehrere Erinnerungsblätter und Festalben - diese Ansicht stammt aus dem "Fest-Album" von Rudolf Flaigg.


Auch die Heilbronner Lithographen Gebrüder Wolff gaben ein Erinnerungsblatt zum Verkauf an die Teilnehmer des Turnfests in Heilbronn heraus.


Adolf Cluss und das Turnfest

Adolf Cluss hat Heilbronn zwar früh verlassen, war aber immer wieder in der Stadt - etwa beim Heilbronner Turnfest 1846, an das sich der alte Cluss in einem Brief an seine Nichte Sofie [de Millas] vom 14. September 1904 erinnert:

"Im August des Jahres 1846, wurde das erste deutsche (nicht schwäbische) Turnfest in Heilbronn abgehalten. Ich war zur Zeit als zweiter Architekt im Bureau der hessischen Ludwigs-Bahn in Mainz angestellt. Auf meine Aufmunterung entschlossen sich 28 Mainzer Turner dem Feste beizuwohnen. Meine Eltern luden die ganze Sippschaft ein zu uns zu kommen, u. zur Zeit unser großes Haus als das ihrige zu betrachten.

Es traf sich, daß Einer meiner Mainzer Freunde, Germain Metternich in Justinus Kerner's Haus erzogen worden war. Diß war fruchtbarer Boden für die schlummernde Begeisterung für das noch neue Gedicht "Wohlauf noch getrunken" u. unser Vorschlag wurde vom Bunde Einstimmig angenommen. Eine Turnfahrt nach Weinsberg u. der Weibertreue während des Festes wurde ins Programm aufgenommen.

Vor dem Hause Kerner's angekommen stellte Germ. Mett. auf einer speciell organisierten Tribüne den alten Dichter J. K. [Justinus Kerner] vor. Aus zweitausend jungen Turner Kehlen wurde ihm sein "Wohlauf noch getrunken" mit Begeisterung vorgetragen. Der alte Mann wurde völlig überwältigt von Rührung. Er sammelte sich, u. schickte G.M. auf sein Studirzimmer um das Portrait des Dichters Nikolas Lenau zu holen, welcher zur Zeit im Irrenhaus untergebracht war. Das große Portrait wurde in gehobener Stimmung von den Besuchern aufgenommen und in gebührender Weise geehrt.

Die Mainzer Jünglinge u. Männer waren von der echt schwäbischen Gastfreundschaft in unserm geräumigen Haus angenehm überrascht u. bei ihrer Rückkehr nach Haus mußte unser Germain ein Gedicht abfassen, welches in dem damals ganz neuen Farbdruck u. stattlichster Fassung nach Heilbronn an unsre Familie kredenzt wurde. Ich habe das Gedicht für mein Leben in Ehren gehalten u. mit mir geschleppt, weil es ja doch meine Jugend-Freunde waren, die mir bleibend im Gedächtniß blieben."

Wohlauf noch getrunken

 

 

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